Sollte ein Werkstück auf einer dynamischen Wuchtmaschine mit Betriebs-/Nutzungsdrehzahl ausgewuchtet werden?
Beim dynamischen Wuchten liefert das Auswuchten des Teils bei der Betriebsdrehzahl in der Regel das genaueste Ergebnis, ist jedoch nicht immer zwingend erforderlich. Dank moderner Wuchttechnologie können insbesondere dynamische Wuchtmaschinen mit starren Lagern das Ungleichgewicht eines Teils auch bei deutlich niedrigeren Drehzahlen mit hoher Präzision messen. Dies ist durch die Leistungsfähigkeit der Wuchtmaschine möglich. Das Messsystem erkennt die durch die Massenungleichgewichte erzeugte Zentrifugalkraft und berechnet den Ungleichgewichtsgrad in Gramm-Millimeter. Dieses Messergebnis bleibt unabhängig von der Drehzahl des Teils konsistent. Dies ermöglicht insbesondere bei Hochgeschwindigkeitsteilen eine sichere Wuchtung bei reduziertem Energieaufwand.
Die Möglichkeit, das Ungleichgewicht auch bei niedrigen Drehzahlen präzise zu messen, erhöht die Betriebssicherheit und beschleunigt den Wuchtprozess. Korrekturen bei niedriger Drehzahl für starre Rotoren passen sich in der Regel den realen Betriebsbedingungen an und reichen aus, um die gewünschte Balance zu erreichen. Die modernen Maschinen von MBS Balance arbeiten nach diesem Prinzip und gewährleisten eine effiziente und sichere Wuchtung der Teile. In speziellen Fällen, wie bei flexiblen Rotoren, kann jedoch ein Test nahe der Betriebsdrehzahl erforderlich sein. Abgesehen von solchen Sonderfällen kann auf einer Standard-Dynamik-Wuchtmaschine das Ungleichgewicht unabhängig von der Drehzahl gemessen werden, was die Praxisfreundlichkeit und Sicherheit des Prozesses deutlich erhöht.
Da die auf einer hartlagerigen Maschine gemessene Kraft eine Fliehkraft ist, steigt sie mit dem Quadrat der Drehzahl (w²); deshalb kann die Auswuchtdrehzahl bei sehr kleinen Restunwuchten in angemessenem Maße erhöht werden, um das Signal-Rausch-Verhältnis zu verbessern. Der Unwuchtwert in Gramm-Millimeter ändert sich bei einem starren Rotor jedoch nicht mit der Drehzahl; die erhöhte Drehzahl macht die Messung lediglich deutlicher, verändert aber das Ergebnis nicht.
Das Hochfahren auf die Betriebsdrehzahl ist in Fällen erforderlich, in denen Wärmedehnung, Montagelockerung oder aerodynamische Effekte ins Spiel kommen oder sich der Rotor einer kritischen Drehzahl (Resonanz) nähert. Bei solchen flexiblen Rotoren kommt im Rahmen von ISO 21940-12 das modale (modenweise) Auswuchten oder ein Hochdrehzahltest nahe der Betriebsdrehzahl zum Einsatz. MBS Balance vereint das sichere Auswuchten bei niedriger Drehzahl für starre Rotoren mit der Hochdrehzahl-Testfähigkeit für flexible Rotoren und wählt so für jedes Bauteil den richtigen Ansatz.